Aktuelles
25. August 2026

Chat Control: Cybersicherheitsexperte Dimitris Simos warnt vor Massenüberwachung

Die Europäische Union arbeitet an neuen Regelungen zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch im Internet. Dabei stehen Maßnahmen wie das automatisierte Scannen privater Nachrichten im Raum. Für Prof. Dr. Dimitris Simos, Brückenprofessor an der FH Salzburg und der Universität Salzburg, ist klar: Der Schutz von Kindern ist essenziell – darf aber nicht auf Kosten grundlegender Freiheitsrechte gehen.

Mit der Verlängerung von Chat Control 1.0 bis 2028 und den Diskussionen um das deutlich weitergehende Chat Control 2.0 gewinnt die Debatte rund um Datenschutz und digitale Grundrechte in Europa erneut an Dynamik. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kinder im digitalen Raum wirksam geschützt werden können, ohne gleichzeitig die Privatsphäre aller Bürgerinnen und Bürger einzuschränken.

Seit mehr als einem Jahr forscht und lehrt Prof. Dr. Dimitris Simos als Brückenprofessor an der FH Salzburg und der Universität Salzburg zu den Themen Cybersicherheit, Kryptographie und sichere digitale Infrastrukturen. Als international anerkannter Experte verfolgt er die Entwicklungen rund um Chat Control seit Jahren.

„Der Schutz von Kindern im Internet ist ohne Zweifel ein zentrales gesellschaftliches Anliegen“, betont Simos. „Entscheidend ist jedoch, dass die eingesetzten Maßnahmen technisch sinnvoll, verhältnismäßig und mit den europäischen Grundrechten vereinbar sind.“

Besonders kritisch sieht der Cybersicherheitsexperte die geplanten technischen Maßnahmen von Chat Control 2.0. Diskutiert wird unter anderem, Nachrichten bereits auf dem Endgerät – also noch vor der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – automatisiert mittels Künstlicher Intelligenz zu analysieren. „Eine solche clientseitige Überprüfung würde erhebliche Risiken für Datenschutz, IT-Sicherheit und die Vertraulichkeit digitaler Kommunikation mit sich bringen“, erklärt Simos.

Neben den technischen Herausforderungen hinterfragt er auch den politischen Entscheidungsprozess. „Gerade bei Eingriffen in fundamentale Grundrechte braucht es größtmögliche Transparenz und einen offenen Dialog mit der Wissenschaft.“

Aus Sicht von Simos stehen bereits heute wirksame Instrumente zur Verfügung, um gegen Straftaten im digitalen Raum vorzugehen – etwa gezielte Ermittlungen auf richterliche Anordnung oder die Auswertung öffentlicher Inhalte. 

„Sicherheit und Privatsphäre dürfen nicht als Gegensätze verstanden werden. Moderne Cybersicherheit bedeutet, beides gleichermaßen zu schützen.“

Die aktuelle Diskussion zeigt eindrucksvoll, wie wichtig unabhängige wissenschaftliche Expertise für gesellschaftliche und politische Entscheidungen im digitalen Zeitalter ist.

Über Prof. Dr. Dimitris Simos

Prof. Dr. Dimitris Simos hat seit 2025 die gemeinsame Professur für Cyber Security der FH Salzburg und der Paris Lodron Universität Salzburg inne. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Cyber Security, Kryptografie und Resilienz kritischer Systeme. Als international vernetzter Wissenschaftler ist er an zahlreichen europäischen Forschungsprojekten beteiligt und bringt regelmäßig seine Expertise zu Cyber Security, Digitalpolitik und Grundrechten ein.